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Brexit: Unsicherheit wirkt sich auf die Finanzmärkte aus

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Brexit: Unsicherheit wirkt sich auf die Finanzmärkte aus pixabay.com
(BPP) Natürlich sorgt die Ungewissheit, wie es nach dem „Brexit“ weitergehen wird, für das Aufflammen zahlreicher Schreckensszenarien. Die Finanzexperten sind der Meinung, jetzt muss man erst einmal einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht von Emotionen leiten lassen - so sollte man nicht jetzt schon mit diversen Szenarien spekulieren und sich darüber Gedanken machen, wie die Märkte darauf reagieren werden. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Der Tag der Wahrheit kommt immer näher

Entscheiden sich die Briten am Ende doch noch für den Verbleib und treten nicht aus der Europäischen Union aus? Stürzt Theresa May, Großbritanniens Premierministerin, über das Brexit-Misstrauensvotum? Wird das Land in einen ungeordneten EU-Austritt schlittern? Es gibt zahlreiche Szenarien, die in den kommenden Monaten eintreffen könnten - je näher der „B-Day“ rückt, also der Brexit-Tag, der mit 29. März 2019 festgesetzt wurde, umso weniger können diverse politische Entwicklungen ausgeschlossen werden.

Das wissen natürlich auch die Anleger, die etwa über Online Broker Deutschland agieren. Beobachtet man den Devisenmarkt, so wird man relativ schnell feststellen, dass der Pfundkurs extremen Schwankungen unterliegt - an der Aktienbörse müssen diverse Titel zudem schwere Kursverluste hinnehmen. So etwa die Royal Bank of Scotland. Seit vergangener Woche musste die Großbank ein Minus von mehr als 16 Prozent verbuchen. Aber auch die Kurse von Lloyds und Barclays sind in den Keller gerutscht. Selbst die Renditen der britischen Staatsanleihen gingen zurück.

Nun ist das britische Unterhaus an der Reihe

Natürlich steht auch der Londoner Finanzmarkt im Zeichen des Brexits. Nun gibt es seit letzter Woche einen Entwurf für das Austrittsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Ein Deal, der einen geordneten Brexit möglich machen könnte. Zudem würden die Briten, rein aus wirtschaftlicher Sicht, auch glimpflich davonkommen. Durch die Übergangsfrist, die bis Ende des Jahres 2020 vereinbart wurde, würde sich nämlich für die Banken und Unternehmen nichts ändern.

Jedoch muss das britische Unterhaus dem Abkommen erst noch zustimmen. Aufgrund der Tatsache, dass der Widerstand (aktuell) noch recht groß ist, besteht sogar die Möglichkeit, dass im März dennoch der unangenehme „No Deal-Brexit“ stattfinden könnte. Wie sollten die Anleger also agieren? „Man sollte derzeit nicht mit einem bestimmten Verhandlungsergebnis spekulieren und sich sodann dahingehend in Position begeben“, so die Analysten der Schweizer Bank UBS. „Derzeit ist die politische Entwicklung zu unberechenbar.“

Die Folgen eines möglichen „No-Deal-Brexits“

Derzeit können Anlageexperten und Volkswirke nur grob skizzieren, wie die Auswirkungen der diversen politischen Szenarien aussehen könnten. So könnte es im Frühjahr tatsächlich zum „No-Deal-Brexit“ kommen - etwa dann, wenn sich die politischen Entscheidungsträger gegen das Abkommen entscheiden. Wird der „No-Deal-Brexit“ zur Realität, so würden die schlimmsten Befürchtungen der Unternehmer, die sich auf beiden Seiten des Ärmelkanals befinden, sehr wohl wahr werden.

„Ein derart destruktiver Brexit könnte auch dann zur Realität werden, wenn es zum Misstrauensvotum gegen Premierministerin May kommt, das sie sodann verliert oder nur ganz knapp übersteht“, so die Analysten von Nomura, einer japanischen Großbank. „Auch wenn May zurücktreten sollte, steigt die Wahrscheinlichkeit für das Negativszenario.“

Am Finanzmarkt gehen die Beobachter davon aus, dass es zu einer neuerlichen Abwertung des Pfunds kommt, wenn das Negativszenario, also der „No-Deal-Brexit“ zur Realität wird. Folgt man den Ergebnissen einer Umfrage von Schroders, einem Vermögensverwalter, so könnte das Pfund von aktuell 1,286 US Dollar auf 1,12 US Dollar abstürzen. Das heißt, die Abwertung würde im Bereich der 13 Prozent liegen. Selbst in Relation mit dem Euro müsste man mit Einbußen rechnen.

Die Analysten gehen auch davon aus, dass die Aktienkurse der britischen Unternehmen fallen würden - dies deshalb, weil sie extrem stark von ihrem Heimatmarkt abhängig sind. Während die Bank-, die Bau- und auch die Immobilienwerte abstürzen könnten, würden hingegen international aufgestellte Konzerne, wie etwa die BP, Vodafone oder auch Shell, vom schwachen Pfund profitieren. Zudem könnten die Renditen der Staatsanleihen, die eine Laufzeit von zehn Jahren haben, von 1,4 Prozent auf 1,2 Prozent fallen.

Verläuft doch noch alles nach Plan?

Aber es gibt auch das optimistische Gegenmodell zum düsteren Brexit-Drama: Einerseits könnte Großbritannien doch noch im europäischen Staatenbund bleiben, andererseits wäre auch eine geordnete Trennung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU eine ausgesprochen gute Lösung. Gelingt es Theresa May, das mögliche Misstrauensvotum mit einer klaren Mehrheit abzuwehren, würde auch der Finanzmarkt zuversichtlicher werden, da so die Wahrscheinlichkeit für einen geordneten Brexit steigt.

In diesem Fall würde auch, so die Umfrageergebnisse aus dem Hause Schroders, die Abwertung des Pfunds bei gerade einmal 9 Prozent liegen; die britische Landeswährung würde sich dann bei 1,40 US Dollar einpendeln. Des Weiteren würden auch die Aktienkurse der Banken, Bau- und Konsumwerte steigen - so auch die Renditen der britischen Staatsanleihen.

Quelle: Redaktion

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