Holocaust-Gedenkfeier im Bunkerbau der Welfenkaserne Landsberg: Bayerischer Landtag und Stiftung Bayerische Gedenkstätten erinnerten an die Gräueltaten der Nazis – Etwa 7 000 Menschen starben in der Hölle von Moll

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(BPP) Mit einer gemeinsamen Veranstaltung erinnerten der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten heute, am 24. Januar 2013 – drei Tage vor dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus –  an die Gräueltaten der Nazis. Zum ersten Mal fand der Gedenkakt in einem ehemaligen KZ-Außenlager statt: in den Bunkeranlagen der Welfenkaserne in Landsberg am Lech, wo zwischen Juni 1944 und April 1945 über 20 000 KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen geschuftet haben. Rund 7 000 von ihnen überlebten die Strapazen nicht. Sie starben an der körperlich schweren Arbeit, an Krankheiten, an den Schikanen des Wachpersonals. Mindestens zwölf Häftlinge fielen während der Bauarbeiten in den nassen Beton und wurden in der Außenhülle des Bunkers lebendig begraben. Wie menschenverachtend die Zustände waren, hat der Überlebende Solly Ganor in seinem Buch „Das andere Leben – Kindheit im Holocaust“ geschildert. Daraus las heute sein Freund Abba Naor, der ebenfalls der „Hölle von Moll“, wie die Bunkerbaustelle nach der Baufirma Leonhard Moll aus München genannt wurde, entkommen ist. Uri Chanoch, Präsident der Vereinigung der ehemaligen Dachauer Außenlagerhäftlinge, ließ seine Häftlingsjacke als Dauerleihgabe im Bunker zurück. Es ist das einzige Erinnerungsstück, das er an die Schreckenszeit in Landsberg hat und das Zeugnis von diesem Grauen ablegen soll.

In der Kaserne in Landsberg betreibt die Bundeswehr seit den 1980-er Jahren Erinnerungsarbeit. Dieses Engagement wollten der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten mit der gemeinsamen Veranstaltung anerkennen. „Die Bundeswehr hat es geschafft, diesen Ort zu einer Gedenkstätte werden zu lassen. Damit wird ein dunkles Kapitel unserer Geschichte aufgearbeitet“, sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm in ihrer Rede. Diese lebendige Stätte des Erinnerns sei vor allem für die Jugendlichen aus den umliegenden Schulen wichtig. „Damit geben Sie den ehemaligen Häftlingen ein Gesicht und den Menschen hinter den Nummern ihre Würde zurück“, dankte Stamm den Vertretern der Bundeswehr.

Der Landtagsabgeordnete Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, wies in seinem Grußwort auf das weitläufige System von Außenlagern hin, die zu den Konzentrationslagern gehörten: 140 zum KZ Dachau, 90 zum KZ Flossenbürg, „einem engmaschigen Spinnennetz vergleichbar, aber perfides Menschenmachwerk.“ Freller  erinnerte an die unendlichen Qualen, denen die Häftlinge ausgesetzt waren - bis zum Tod. „Bis heute sind die Lücken spürbar, die diese Menschen hinterlassen haben. Wie viel Kultur, wie viel Geist, wie viel Kreativität wurden hier in deutschem Namen zerstört und ermordet“, klagte Karl Freller. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses (WJC) warnte vor dem erneuten Erstarken rechtsradikaler Gesinnung und betonte, wie wichtig gerade deswegen aktives Gedenken an die Opfer des nationalsozialistischen Terrors sei. „Entscheidend ist jedoch, dass unsere Kultur des Erinnerns auf die Zukunft ausgerichtet ist. Gedenken darf nicht zur Last, oder gar zur Schuld der jüngeren Generationen werden. Die Erinnerung darf nicht den berechtigten Stolz auf unser Land zerschmettern. Vor allem darf Gedenken nicht emotionslose Routine werden. Erinnern muss seine zentrale Funktion behalten: Sie muss immunisieren“, erklärte Charlotte Knobloch. In ihrer Rede sprach sich Knobloch für ein Verbotsverfahren gegen die NPD aus und forderte alle demokratischen Kräfte auf, im Kampf gegen die Feinde der Verfassung zusammen zu stehen.

Tibor Shalev-Schlosser, der Generalkonsul des Staates Israel, bezeichnete die Erinnerungsarbeit in den Gedenkstätten Bayerns als vorbildlich und dankte den Überlebenden des Holocaust für ihr Engagement bei der Aufarbeitung der Geschichte. „Einen unschätzbaren Beitrag leisten Sie, liebe Überlebende, weil Sie seit unzähligen Jahren die Bürde auf sich nehmen, an den Ort des Schreckens zurück zu kehren um die Erinnerung an die kommenden Generationen weiterzugeben“, sagte Shalev-Schlosser.

Oberst Klaus Schuster, Standortältester in Landsberg am Lech, versprach, dass die Bundeswehr die Erinnerungsarbeit intensiv fortsetzen wird. Im vergangenen Jahr seien über 100 Führungen für rund 3 000 Besucher erfolgt. „Bitte lassen Sie alle nicht nach im gemeinsamen Bestreben, eine würdige Gedenkarbeit in Landsberg, Kaufering und Umgebung zu gestalten“, appellierte Schuster an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gemeinsamen Gedenkveranstaltung. Die Häftlingsjacke von Uri Chanoch wertete Schuster als zentrales Symbol und Zeugen des Holocaust.

Heidi Wolf,
Pressesprecherin
Bayerischer Landtag - Landtagsamt
Pressestelle
Maximilianeum, 81627 München
Tel.: 089/ 41 26-26 01, Fax: -16 01
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Internet: http://www.bayern.landtag.de/

Web-Tipp der Redaktion: http://gastro-info-stuttgart.pregas.eu/

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