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OFFENER BRIEF AN ROMANI ROSE VORSITZENDER DES ZENTRALRATS DEUTSCHER SINTI UND ROMA

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(BPP) Die Sinti Allianz Deutschland kann der von Ihnen in Gang gesetzten Entwicklung, wie nachfolgend beschrieben, nicht mehr widerstandslos zusehen
 
Wir müssen Ihnen nicht erklären, was es bedeutet, Sinti zu sein. Sie sollten uns aber erklären, was es für Sie bedeutet, Sinti als Untergruppe der Roma darzustellen und vor allem, weshalb Sie das tun. Sie haben unsere Identität, ohne Rücksprache mit uns Sinti zu halten, ausgetauscht, indem Sie uns zu Roma erklärten. Warum verfälschen Sie unsere Geschichte so gravierend, z. B. wissend, dass wir im Gegensatz zu Roma bereits seit mehr als 600 Jahren in Deutschland leben? Auch wissend, dass wir durch Ihre der Öffentlichkeit verordnete Begrifflichkeit „Sinti und Roma“ in äußerst schwierige Lebenslagen geraten.
 
Sie haben von Medien und Politik die bedingungs- und alternativlose Verwendung Ihrer grundfalschen Wortschöpfung „Sinti und Roma“ verlangt. Ist Ihnen, Romani Rose und Ihrem Stab, bewusst oder gleichgültig, dass wir durch Ihre Fremdbezeichnung inzwischen für ausländische Asylsuchende aus Ost- und Südosteuropa gehalten werden?
 
Zunehmend werden wir auch durch aus dem Balkan zugewanderte kriminelle Gruppen in Verbindung mit Prostitution, Beschaffungskriminalität u. a. gebracht. Wir müssen damit rechnen, dass durch Ihre irreführende und offensichtlich falsche Zuordnung der Sinti zu den Romagruppen unser Fortbestand als anerkannte eigenständige Ethnie stark gefährdet ist. Daraus resultieren für unser Volk erhebliche gesellschaftliche Nachteile, Rufschädigungen und Diskriminierungen. Bereits viele Sinti sehen sich durch diese Entwicklung genötigt, ihre Identität zu verschweigen.
 
Sie haben sich zum Autokraten aufgespielt und wissentlich falsche Informationen über unser Volk verbreitet (siehe Auszüge aus einer von Ihnen autorisierten und in Auftrag gegebenen Studie), wie z. B.: „Sinti seien als Nachbarn sehr oder eher unangenehm, Sinti würden die geringsten Sympathien entgegengebracht und dass Sinti durch ihr Verhalten Feindseligkeiten hervorrufen.“ „Befragte sehen in Einreisebeschränkungen ein probates Mittel für ein besseres Zusammenleben.“
 
Soweit waren wir in der schlimmen Zeit schon einmal.
 
Auf der Berliner Gedenkfeier für die ermordeten Karikaturisten in Paris sagte Bundespräsident Gauck einen wichtigen Satz: „Das Land braucht Journalisten, die wahrheitsgetreu berichten“. Diese Maxime haben Sie den Journalisten und Politikern beharrlich verwehrt, indem Sie ihnen sehr bewusst Unwahres und Schädigendes über die Sinti in ihre Notizblöcke diktierten.
 
Sie haben die Menschen unseres Volkes übergangen, ihnen ihre Identität genommen, indem Sie die Sinti als Untergruppe der Roma bezeichnen. Wir Sinti fühlen uns von Ihnen ausgespielt, ausgenutzt und letztendlich auch verraten.

Ricardo Laubinger, 1. Vorsitzender
Sinti Allianz Deutschland
-Dachverband Deutscher Sinti-
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www.sinti-allianz.de

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