Gläß/Pellmann: Sachsens Staatsregierung ignoriert Frauenarmut

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(BPP) Zur 6. Armutskonferenz der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag am 6. Oktober in Chemnitz, die sich diesmal dem Thema „Frauenarmut in einem reichen Land“ widmet, erklärt die gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion, Heiderose Gläß:

Wir konzentrieren uns natürlich auf Sachsen, dazu hat unsere Fraktion verschiede Große Anfragen wie z. B Anfragen zu den Themen: „Leben in der zweiten Lebenshälfte – über 50-Jährige in Sachsen“ und „Zu ausgewählten Lebenslagen von Frauen in Sachsen“  an die Staatsregierung gerichtet, die sehr lückenhaft beantwortet wurden, so dass mein Kollege Dr. Pellmann durch viele Kleine Anfragen diese Lücken schließen musste, was auch nicht immer gelang.

Unsere Analysen wollen wir durch  Erfahrungen von Betroffenen überprüfen und ergänzen. Es ging ja gerade in der letzten Zeit ein Aufschrei durchs Land, dass in Deutschland große Altersarmut droht – wir sind davon überzeugt, dass es Frauen noch deutlich stärker treffen wird als Männer, aber das spielt in der öffentlichen Diskussion eine untergeordnete Rolle. Auch weigert sich die Sächsische Staatsregierung, konsequent Daten geschlechterspezifisch zu erheben.

Der sozialpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. Dietmar Pellmann, erklärt zur anlässlich dieser Konferenz vorgestellten Broschüre „Frauenarmut in Sachsen: Situation – Perspektiven – politischer Handlungsbedarf“:

Die Hauptursachen von Frauenarmut in Sachsen liegen in der überdurchschnittlichen prekären Beschäftigung von Frauen, ihrer Benachteiligung bei den Löhnen gegenüber Männern. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen sank von 2000 bis 2010 um 4,3 Prozent auf knapp 700.000. Die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen stieg im gleichen Zeitraum um fast 30 Prozent, außerdem gibt es heute um das Vierfache mehr Leiharbeiterinnen. Zudem fallen 23 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse von Frauen unter geringfügige Beschäftigung. Hinzu kommt: Frauen sind häufiger als Männer unterhalb ihrer Qualifikation beschäftigt und „Frauenberufe“ beim Lohnniveau benachteiligt, so lagen die Löhne im Einzelhandel 18 Prozent niedriger als im produzierenden Gewerbe.

Ein besonderes Armutsrisiko tragen Alleinerziehende – 58 Prozent von ihnen sind auf Arbeitslosengeld II angewiesen, das sich auf Sozialhilfeniveau und damit weit unter der Armutsgrenze befindet. Frauen sind schon jetzt von Altersarmut stärker betroffen als Männer  - ihre durchschnittliche Rente betrug in Sachsen Ende 2011 674 Euro (Männer: 867). Die nach DDR-Recht geschiedenen Frauen – ca. 150.000 in Sachsen – bleiben aufgrund einer Gerechtigkeitslücke im Einigungsvertrag weiter benachteiligt. – Sachsen braucht ein Landeskonzept zur Bekämpfung von Frauenarmut, das in einer fundierten Analyse gründet. Dazu gehört ein eigenes Beschäftigungs- und Weiterbildungsprogramm vor allem für langzeitarbeitslose Frauen.

Marcel Braumann
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Tel.: (0351) 493 5823
Fax: (0351) 496 0384
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