Regulierung von Derivaten: Das kommt 2019 auf Sie zu

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Regulierung von Derivaten: Das kommt 2019 auf Sie zu pixabay.com
(BPP) Hätten die EU-Parlamentarier und die Kommission gewusst, dass sich die Briten einmal für den „Brexit“ entscheiden würden, wäre die Clearingstelle LCH.Clearnet, die den Großteil des Derivatehandels abwickelt, sicher nicht in London aufgebaut worden. Dass Großbritannien mit 29. März 2019 die Europäische Union verlassen wird, ist kein Geheimnis mehr. Viel schwieriger wird hingegen die Beantwortung der Frage, wie es mit der Behandlung des Derivatehandels weitergehen wird.

Clearingstelle befindet sich in London - wie geht es nach dem Brexit weiter?

Innerhalb der Europäischen Union machte man sich nach der Welt- und Wirtschaftskrise zahlreiche Gedanken, wie man mit einer Regulierung einen stabilen Finanzmarkt aufbauen könnte. Geschaffen hat man die sogenannte EMIR-Verordnung („European Market Infrastructure Regulation), mit der festgehalten werden konnte, dass ein Clearing von Derivaten bei den zentralen Gegenparteien erfolgen muss. Des Weiteren müssen jene Geschäfte, die dort abgewickelt werden, an das Transaktionsregister gemeldet werden. Überwacht werden die Clearingstellen von der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde - der ESMA („European Securities and Markets Authority”). Das Ziel? Man will eine hohe Markttransparenz erzeugen und den Markt somit sicherer machen.

Doch die Kommission und die EU-Parlamentarier haben nicht daran gedacht, dass das Land, in dem fast alle Derivategeschäfte innerhalb der Europäischen Union abgewickelt werden, die Union auch verlassen könnte. Auch wenn es mit der Eurex Clearing AG auch in Frankfurt/Deutschland eine Clearingstelle gibt, so weiß man, dass das Herz der Finanzindustrie in der britischen Hauptstadt schlägt. Rund 97 Prozent der Zinsderivate, die auf Euro laufen, werden von der LCH.Clearnet gecleart. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den anderen Derivaten.

Das ist natürlich ein Problem für die EU-Aufsicht. Die EMIR-Verordnung schreibt nämlich ein Clearing von einer innerhalb der EU zugelassenen Gegenpartei vor. Der Hintergrund dieser Idee? Die ESMA, die eine Aufsichtsbehörde ist, hat keinen Zugriff auf Institutionen, die sich außerhalb der EU befinden. Auch deshalb stehen die Europäische Union mit der ESMA vor einem Problem: Die EU hat natürlich zur Wahrung der Finanzmarktstabilität auch ein eigenes Interesse daran, dass die Clearingfähigkeit aufrecht bleibt - auch dann, wenn die Briten kein Teil mehr der EU sind.  

Es wird eine Gratwanderung

Zudem kommt noch hinzu, dass noch immer nicht geklärt ist, ob die aktuelle EMIR-Verordnung oder die überarbeitete EMIR 2.2-Verordnung in Kraft sein wird, wenn die Briten die EU verlassen. Können sich die EU-Gesetzgeber rasch auf über den Text einig werden, der sodann in EMIR 2.2 stehen soll, könnte die Verordnung schon vor dem 29. März 2019 in Kraft treten. In beiden Rechtsakten gibt es eine Drittstaatenregelung, sodass ein Clearing auch durch einen Drittstaat erfolgen kann.

Tritt die EMIR 2.2-Verordnung in Kraft, werden die Regeln jedoch strenger ausfallen: So müssen auch die Drittstaaten dauerhaft alle regulatorischen wie auch organisatorischen Anforderungen erfüllen, die von Seiten der EU vorgeschrieben werden. Zudem müssen sich die Drittstaaten auch verpflichten, dass ein Zentralbankkonto eröffnet wird und sich in weiterer Folge bereit erklären, dass, sofern „Krisenzeiten“ eintreten, den liquiditätsunterstützenden Anordnungen gefolgt werden müssen, die sodann von der Europäischen Zentralbank kommen. Des Weiteren muss der ESMA auch der jederzeitige Zugang zu den Geschäftsräumen gestattet werden.

Am Ende wird es natürlich eine Gratwanderung - einerseits für die EU, die natürlich will, dass der Finanzmarkt stabil ist und funktioniert, andererseits auch für Großbritannien, die sich mehr Unabhängigkeit wünschen und sich nicht wieder mit Vorschreibungen von Seiten der EU befassen möchten. So wird es wohl dann doch der Kompromiss werden, mit dem beide Seiten leben können: Die Kommission hat nämlich die LCH.Clearnet aufgefordert, Anträge auf Anerkennung nun bei der ESMA einzureichen - zudem soll es noch Anpassungen geben, die dann in der EMIR 2.2-Verordnung zu finden sein werden. Berücksichtigt man den Umstand, dass bis Ende März nur noch wenig Zeit ist, so kann man davon ausgehen, dass es zu einer Übergangslösung kommen wird.

Natürlich werden die nachfolgenden Wochen wie Monate auch einen erheblichen Einfluss auf die Aktienmärkte haben. Trader sollten daher die Entwicklungen ganz genau beobachten, sodass rechtzeitig Trends erkennt werden können. Wichtig ist, dass man seine Informationen aus einer zuverlässigen Quelle bezieht und nicht nur auf Basis diverser Gerüchte spekuliert.

Werden demnächst auch Kryptowährungen reguliert?

Aber nicht nur der Brexit wird den Finanzmarkt verändern - auch Kryptowährungen haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Finanzmärkte. Natürlich scheiden sich die Geister, wenn es darum geht, die Kryptowährungen zu regulieren. Schlussendlich wird, so die Regulierungskritiker, die Anonymität bei den Kryptowährungen ein Ende finden. Das auch deshalb, weil die FATF, die Financial Action Task Force, endgültig den Kampf gegen die Geldwäscher gewinnen will. Bei der FATF handelt es sich um eine Aufsichtsbehörde, die auch international agiert und mit Juni 2019 neue Regeln präsentieren will, die in weiterer Folge dafür sorgen sollen, dass Kryptowährungen - etwa der Bitcoin oder auch Dash - überwacht werden können.

Quelle: Redaktion

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