Klepsch: Geld für Jugendstudie hätte sich Staatsregierung sparen können – viel zu allgemein für konkrete Politik

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(BPP) Zur anlässlich der Konferenz „Jugend gestaltet Sachsen - ConFestival 2012“ durch die Staatskanzlei in Auftrag gegebenen Studie „Lebensziele junger Menschen in Sachsen“ erklärt die stellvertretende Vorsitzende und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Annekatrin Klepsch:

Die Sächsische Staatsregierung hat es sich spätestens mit den Kürzungen für Jugendarbeit im Jahr 2010 sowie mit dem schulpolitischen Desaster bei Unterrichtsausfall und Lehrernachwuchs im letzten Schuljahr mit den sächsischen Jugendlichen verscherzt. Da wird die Jugendkonferenz am 6./7. Oktober in Dresden unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Tillich keine Abhilfe schaffen, wenn es – im Unterschied zu den 90er Jahren – kein jugendpolitisches Konzept gibt, das den unterschiedlichen Bedürfnissen junger Menschen in Sachsen gerecht wird.

Dass Staatsminister Beermann das Versagen der Staatsregierung in Sachen Jugendpolitik jetzt mit einer halbgaren Telefonumfrage des Hamburger GMS-Institutes garniert, krönt das feudale Demokratieverständnis von Herrn Tillich. Der Großteil der Fragen nach Heimatverbundenheit, Lebenszielen und Zukunftserwartungen ist so allgemein gehalten, dass sich für eine gezielte eigenständige Jugendpolitik kaum etwas aus den Antworten ableiten lässt. Die politische Einstellung junger Menschen wird erst gar nicht erfragt. Offenbar ist das Verhältnis der Jugendlichen zur Demokratie der Staatsregierung nicht wichtig. Fragen wie die Situation von arbeitslosen Jugendlichen, Schülern ohne Schulabschluss, Armutslagen von Kindern und Jugendlichen, Cybermobbing, ÖPNV-Anbindung und Bildungschancen werden erst gar nicht thematisiert. Dass darüber hinaus nur Jugendliche aus Privathaushalten mit Festnetzanschluss befragt wurden, wirft an der Studie methodische Zweifel auf.

Das Geld für die Befragung hätte sich die Staatskanzlei sparen können und stattdessen in eine eigenständige Landjugendstudie investieren sollen. Dass nur 55 Prozent der befragten Jugendlichen für ihre Arbeit in Sachsen bleiben wollen und 45 Prozent die gern gepriesene Heimatverbundenheit egal ist, sollte Herrn Tillich und seinem Kabinett zu denken geben.

Demgegenüber wird – entgegen ursprünglichen Ankündigungen der Sozialministerin - auf eine eigene Landjugendstudie zur Situation junger Menschen in Sachsens Landkreisen verzichtet und stattdessen im vierten Kinder- und Jugendbericht des Freistaates subsumiert, der allerdings nicht mehr von einer unabhängigen Sachverständigenkommission, sondern von einem Institut für Geographie erstellt wird.

Marcel Braumann
Pressesprecher
Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag
Bernhard-von-Lindenau-Platz 1
01067 Dresden
Tel.: (0351) 493 5823
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