Schulen stärken, nicht miesreden, Herr Günther

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Schulen stärken, nicht miesreden, Herr Günther Anke Erdmann - sh-gruene-fraktion.de
(BPP) Zu den Äußerungen des CDU-Fraktionsvorsitzenden Daniel Günther sagt die schulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann: Wie gelingt es, dass Kinder und Jugendliche gut durch ihre Schulzeit kommen? Dies ist die Leitfrage unserer Koalition in den letzten Jahren gewesen. Interessant ist, dass Daniel Günther in seiner Zeit im Bildungsausschuss für diese Frage herzlich wenig Interesse aufgebracht hat. Dass genügend Lehrkräfte da sind, Inklusion an Schulen nichts kostet und unsere Schulen auf gut und gerne 1.700 Stellen verzichten könnten - das waren die Märchen der CDU-Regierung. Wir haben in allen drei Punkten eine Kehrtwende eingeleitet.

Seit 2012 arbeiten wir an einer transparenten, ehrlichen und dialogorientierten Bildungspolitik. Dabei stehen für uns individuelle Förderung, eine bessere Ausstattung und ein guter Übergang von der Kita bis letztlich in den Beruf im Vordergrund. Und wir wissen auch, wo der Schuh drückt. Wir sind wesentliche Schritte gegangen. Fertig sind wir noch nicht und wir sehen auch, an welchen Stellen es hakt.

Daniel Günther scheint die Strategie zu haben: Schulen mies machen, Scheinlösungen anbieten, einen ordentlichen Schuss Übertreibung einrühren. Und vor allem das anzuprangern, was die Union selber eingeführt hat, so z.B. das Turbo-Abi, die erschwerte Zurückstellung von Kindern bei der Einschulung und die Verankerung der Inklusion zum Nulltarif. Und wer findet, dass man Zehnjährigen schriftlich geben sollte, ob sie mal Abitur machen oder vielleicht keinen Abschluss, kann kaum behaupten, er habe vor allem das Kindeswohl im Auge. Daniel Günther kann mit Kindern ab zehn offenbar nur etwas anfangen, wenn ein kleines Leistungsschildchen zum Sortieren beiliegt.

Ausstattung der Schulen:Der Ausstattung der Schulen kommt eine besondere Rolle zu: Wir haben den Sparkurs 2012 sofort beendet und liegen heute mit 2.000 Lehrkräften über den Planungen der Carstensen-Regierung. Wir haben die Schulen gestärkt und geben jährlich mehr als 30 Mio. Euro für Schulsozialarbeit, Schulbegleitung und Schulassistenzen aus, weil wir wissen: Lehrkräfte brauchen vor Ort gute TeampartnerInnen, die unterstützen und beraten können. Auch die Stellen im schulpsychologischen Dienst wurden verdoppelt. Wir nähern uns der 100 Prozent-Marke, erreicht ist sie aber noch nicht. Wir wollen künftig bei der Mittelzuweisung berücksichtigen, wie viel eine Schule neben dem Unterricht noch aufzufangen hat. Schulen, an denen viele Kinder und Jugendliche schwerere Startbedingungen haben, sollen zusätzlich zu den 100 Prozent einen Bildungsbonus bekommen.

Einschulung: Wir haben die Rückstellungspraxis nach einer Anhörung im Bildungsausschuss geändert. Ausnahmen von der Einschulung sind seit 2014 einfacher möglich, wenn dies für das Kindeswohl sinnvoll ist. Die Einschätzung von Kinder- und JugendärztInnen kommt dabei ein besonders Gewicht zu. Die Aussage, kein Kind könne mehr wegen Entwicklungsverzögerungen zurückgestellt werden, ist falsch.

Schulübergangsempfehlungen und Zeugnisnoten: Es ist bekannt, das Schulübergangsempfehlungen am Ende der Schulzeit in vielen Familien und Schulen zu erhöhtem Druck führen. In den Grundschulen beraten die Klassenlehrkräfte die Familien verbindlich und geben in diesem Gespräch auch eine mündliche Schulartempfehlung. Gleichzeitig wurde die Regelung von 2007 zur Notenfreiheit auf Wunsch einiger Schulen ausgeweitet, die sich von dieser Form eine Kind-gerechtere Leistungsrückmeldung versprechen. War zuvor eine Notenfreiheit in Klasse 3 sowie 5 bis 7 möglich, kann auch die Klasse 4 nun ohne Ziffernnoten abgeschlossen werden.

Inklusion: Tatsächlich steigt die Quote der SchülerInnen, die mit Förderbedarf an Regelschulen unterrichtet werden, seit mehr als einem Jahrzehnt stetig an. Die Inklusion hat keine Parteifarbe, sie steigt unabhängig von der Regierungskoalition. Von einer 100 Prozent-Inklusionsquote spricht übrigens niemand. Es geht um ein Wahlrecht für Eltern und ihre Kinder. Darüber hinaus sind sich alle Fraktionen im Landtag einig, dass Förderzentren weiter zur Schullandschaft gehören. Auch wenn gerne etwas anderes behauptet wird. Tatsächlich hat die Bildungsministerin aber gerade ein Gutachten vorgelegt, das den zusätzlichen Stellenbedarf abbildet. Inklusion kostet mehr als 500 Stellen. Wir haben inzwischen hundert zusätzliche Stellen geschaffen. Ganz besonders die Eingangsphase an Grundschulen wollen wir weiter stärken.

G8/G9: Der Union konnte es mit dem Turbo-Abi nicht schnell genug gehen. Der Rumpelstart geht auf die Große Koalition zurück. Schwarz-Gelb hat sich nicht um Inhalte und Verbesserungen gekümmert, sondern sich im Koalitionshickhack und Psychoerlassen verstrickt. Inzwischen sind die Lehrpläne überarbeitet, die Schulen haben gute Strategien entwickelt und der Übergang ans Gymnasium ist landesweit seit einigen Jahren ziemlich konstant.

Und unter anderem der Landeselternbeirat der Gymnasien hat sich dafür ausgesprochen, dass es bei G8 für ihre Kinder bleibt.

Quelle: sh.gruene.de

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