Autoindustrie

Autoindustrie

Seit der Erfindung des Fließbandes steht die Automobilindustrie im Zentrum industriellen Produktion. Neben den großen Herstellern profitieren zahllose Zulieferbetriebe und Standorte von diesen Fabriken. Deutschland zählt zu den führenden Herstellern mit qualitätsvollen Fahrzeugen.
Inhaltsverzeichnis

Vom Aufstieg der Automobilwirtschaft

Die Anzahl der produzierten Autos pro Jahr ist weltweit von etwa 10.000 im Jahre 1900 auf etwa 100 Millionen im Jahre 2919 angestiegen. Tiefgreifende Krisen wie der zweite Weltkrieg, die Weltfinanzkrise 2008 und die Ölkrise führten nur zu kurzfristige Rückgängen n der Produktion. Es können etwa fünf Hauptgruppen von Herstellern unterschieden werden: 1. Einige der großen Hersteller aus dem Anfang der Autoindustrie wie beispielsweise Daimler-Benz, General Motors, Ford, Alfa Romeo, Peugeot oder Opel existieren als Marken und teilweise auch als Hersteller noch heute, auch, wenn sie teilweise die Besitzer wechselten. 2. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen japanische und später koreanische Marken wie Hyundai oder Kia hinzu, die durch niedrige Preise den Weltmarkt revolutionierten. Toyota ist vor Volkswagen seit 2014 der größte Hersteller der Welt. 3. Ebenfalls nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen Volkswagen, BMW, Fiat und Nischenmarken wie Rolls Royce, Lamborghini oder Ferrari in den Markt erfolgreich mit traumhaft schönen, aber sehr teurer Luxus- und Sportwagen ein. Europäische Autos gelten als die besten der Welt, ob sie nun als Premium-Hersteller wie BMW und Mercedes Luxusautos liefern, erstklassige Sportwagen wie die Italiener oder hochwertige Massenprodukte wie Volkswagen und die Franzosen. 4. Die billigen Asiaten sind gewichen und haben hochwertigen Marken wie Mazda, Ka und Nissan den Weg frei gemacht, die sich ebenfalls zu Premiumfahrzeugherstellern gewandelt haben. 5. Die größten Veränderungen am Markt werden durch im 21. Jahrhundert neu entstandene Hersteller wie Tesla angekündigt. Tesla baut nur elektrisch angetriebene Autos. Ähnliche Firmen gibt es in China, dessen Exporte auf dem Automarkt zunehmend Ernst genommen werden. Die Entwicklung der Automobilindustrie war also immer wieder von großen Umbrüchen begleitet.

China und Asien auf dem langem Marsch an die Spitze

Lange Jahrzehnte gab es außer dem Export nach den USA und ab den siebziger Jahren dem Import aus Japan kaum nennenswerte Vernetzungen der deutschen mit der globalen Automobilindustrie. Zu den strukturellen Veränderungen in der Produktion kamen die globalen Handelsentwicklungen hinzu. Mit rund 30 Millionen gebauten Automobilen führte China 2018 die Liste der Automobilländer an. Noch vor 50 Jahren kannten die Chinesen kaum Autos. Die Vereinigten Staaten folgen mit weitem Abstand und 11 Millionen produzierten Pkw, in Japan waren es knapp 10 Millionen und in Deutschland knapp 6 Millionen Zwischen 2007 und 2017 nahm die Produktion nur in China zu, in den übrigen Ländern ging die Produktion in diesen Jahren zurück. Frankreich und Deutschland sind mit knapp 5 Millionen exportierten ahrzeugen die weltweit größten Autoexporteure, es folgen Japan mit gut 4 Millionen und Südkorea mit gut 3 Millionen. China exportiert zurzeit etwa 1 Million Fahrzeuge im Jahr. Dort werden jährlich etwa 23 Millionen gegenüber 3 Millionen in Deutschland neu zugelassen.

Autos und Automobilindustrie in Deutschland heute

Rund 56 Millionen Automobile fahren auf den deutschen Straßen, das sind rund 10 Millionen mehr als noch zur Jahrtausendwende. Rund 45 % der Autos stammen von deutschen Herstellern, 55 % von ausländischen Herstellern. 30 Millionen Autos fahren mit Benzin, 15 Millionen mit Diesel und nur rund 0,2 Millionen fahren mit elektrischem oder hybridem Antrieb. Der Verbrennungsmotor regiert die Industrie. Der Anteil dieser Fahrzeuge an den Neuzulassung liegt nur wenig über zehn Prozent. Der Gesamtumsatz der Automobilindustrie liegt bei rund 450 Milliarden Euro. Den größten Anteil am Gesamtumsatz der deutschen Automobilindustrie hat der Export mit etwa 61 Prozent oder knapp 275 Milliarden Euro. Von 2009 auf 2017 hat sich der Wert der Auto-Exporte auf 235 Milliarden Euro erhöht und damit fast verdoppelt. Rund 820.000 Menschen sind bei der deutschen Automobilindustrie beschäftigt. Allein in der Zeit nach der Finanzkrise konnten mehr als 1000.000 neue Arbeitsplatze geschaffen werden. Zum Bruttoinlandsprodukt trägt die Automobilindustrie etwa 4,5 Prozent bei, zur Industrie etwa 20 %.

Über Jahrzehnte ging es in der deutschen Automobilindustrie praktisch nur nach oben, Zweifel waren kaum angebracht. Dieser Trend in der Automobilindustrie wird seit 2018 und 2019 getrübt. Dieselkrise, leicht einbrechende Konjunktur und andere Probleme haben ihre Spuren hinterlassen. Mercedes etwa verkündete 2019 einen Umsatzrückgang. Die Exporte sind in der gesamten deutschen Autoindustrie um zwei Prozent gesunken. Die Ursachen waren hausgemacht. Die deutsche Industrie hatte die rechtzeitige Umstellung ihrer Autos auf neue europäische Abgasnormen (WLTP) verpasst. Einige Experten meinen, dass die jahrelang bremsende Rolle Deutschlands bei den Grenzwerten kontraproduktiv war, weil sie scließlich zu Wettbewerbsnachteilen führte. Europa fürchtet zudem Zölle des amerikanischen Präsidenten, denn die USA ist das wichtigste Exportland. Die Zeichen in der Automobilindustrie stehen also auf unsicher.

  • Assistenzsysteme, digitales Cockpit und neues Design haben die Autos mit einem Trend zu stetig erhöhter Hochwertigkeit verändert, ohne dass dies die Zukunft allein sichern würde
  • Nachdem die Entwicklung der Automobilindustrie über Jahrzehnte vor allem durch technische Innovationen bestimmt wurde, treten heute gesellschaftliche Herausforderungen in den Vordergrund. Die EU wird neue Grenzwerte radikal durchsetzen.
  • Die Industrie und die politische Führung haben die revolutionären Auswirkungen des Klimawandels unterschätzt. Verbraucher sind sensibler als erwartet.
  • Die gesunkenen Verbrauchswerte genügen allein für ein Überleben des traditionellen Motorbaus nicht.
  • Bei wichtigen Zukunftstechnologien wie der Elektromobilität haben heute Chinesen und Tesla die Nase vorn.
  • Die Dieselkrise hat das weltweite Image einiger Marken massiv beschädigt.
  • Am Horizont winken Elektromobilität und autonomes Fahren

Niemand kann heute genau sagen, wie die Zukunft der Automobilindustrie aussehen wird. Schon allein das ist eine Sensation, denn über 100 Jahre lang haben Aufstiegswille und Wachstum allein die Entwicklung und auch das Vertrauen der Verbraucher und Mitarbeiter bestimmt. Heute regiert die Unsicherheit. Einige Zukunftsvisionen scheinen recht sicher, bei anderen sind es vor allem Fragen, die bei der Beschreibung der Zukunft der Industrie zu stellen sind: 1. China wird nicht nur als Abnehmer, sondern auch als Exportland eine führende Rolle in der Automobilindustrie übernehmen. 2. Assistenzsysteme werden das Auto immer mehr bestimmen und schrittweise das autonome Fahren möglich machen. 3. Wie lange lebt der Verbrennungsmotor noch, scheinen seine Jahre innerhalb einiger Jahrzehnte gezählt, wenn er es nicht schafft, ohne Emissionen zu laufen? 4. Kann Europa seinen Nachlauf hinter Tesla und China aufholen? 5. Wie wird sich die Batterie- und Ladetechnologie entwickeln? Wird sie qualitative Sprünge schaffen, um die Elektromobilität für die Massen attraktiv zu machen?

Wird die Automobilindustrie Jobmaschine in Deutschland bleiben?

Wegen des zu erwartenden Durchbruchs der Elektromobilität wird sich die automobile Produkten strukturell verändern. Es werden keine Getriebe mehr benötigt, Elektromotoren sind viel einfacher zu bauen als Verbrennungsmotoren. Diese Entwicklung wird von der sprunghaften Automatisierung in der Industrie 4.0 überlagert. So befürchten denn einige Experten einen Rückgang der Beschäftigung innerhalb der Automobilindustrie um mindestens 20 %. Andere Experten warnen vor zu viel Pessimismus. Schließlich hat die Eisenbahn, als sie erfunden wurde, Furcht und Vernichtung vieler Branchen, gleichzeitig aber auch die Industrialisierung ausgelöst. So ist es möglich, dass durch die Vernetzung der Automobilindustrie mit Mobilitätsdienstleistungen, Logistik und der Luftfahrt ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Ein Schlüsselfaktor dabei ist die Qualifizierung der Beschäftigen.

Prognosen für die Automobilindustrie

Gesicherte Prognosen sind heute unmöglich, es gibt zu viele Unsicherheitsfaktoren und umgekehrt zu viele Gestaltungsmöglichkeiten. Wirtschaft und Politik haben einen Einfluss auf die Zukunft der Automobilindustrie. Nur wenn Europa, die deutsche Politik und die Industrie zusammenarbeiten, wird eine positive Prognose Automobilindustrie möglich werden. Die anstehende Transformation erfordert eine massive Forschungsförderung, den radikalen Ausbau der Ladeinfrastruktur, Umstellung der öffentlichen Fahrzeugparks auf Elektromobilität, strukturelle Fortschritte in der Batterieproduktion, massive Hochqualifizierung der Beschäftigten in der Automobilindustrie und Durchsetzung einer europäischen Industriepolitik.